Als mir vor einiger Zeit jemand sagte, dass Wass­er sparen in Deutsch­land Quatsch sei, ging ich sofort auf die Bar­rikaden. Schließlich ist mir aus mein­er Kind­heit nicht nur der Satz „Tür zu, wir heizen! Und Licht aus­machen!“ im Kopf geblieben. Auch beim Zäh­neputzen wurde ich dazu ange­hal­ten, den Wasser­hahn dabei nicht laufen zu lassen. Wobei Wasser­spielchen jeglich­er Art doch beson­ders im Kinde­salter unglaublich viel Spaß macht­en. Nur in heißen Som­mern gab es eine Aus­nahme und das Plan­schbeck­en durfte rand­voll gefüllt wer­den.

Wass­er sparen liegt mir somit qua­si im Blut und darauf bin ich eigentlich auch ein biss­chen stolz. Desto ver­wirrter war ich von der Aus­sage, dass es keinen Sinn mache, wenn ich darauf achte, den Wasser­hahn immer zuzu­drehen. Sich informieren ist der erste Schritt aus der Ver­wirrung und nach ein­er kurzen Recherche habe ich fest­gestellt, dass das The­ma „Wass­er sparen – ja oder nein?“ viel disku­tiert wird.

Ist Wasser sparen sinnvoll? Ja, aber nur zum Teil.

Wichtig ist, dass man ein The­ma immer aus unter­schiedlichen Per­spek­tiv­en betra­chtet.

Fakt ist: Wir haben in Deutsch­land genü­gend Grund­wass­er, um die Trinkwasserver­sorgung sicherzustellen. Zudem wird das Wass­er hier nicht ver- son­dern gebraucht. Sobald das Wass­er durch den Abfluss läuft, befind­et es sich auf dem Weg zum Klär­w­erk und wird nach der Reini­gung dem Wasserkreis­lauf zurück­gegeben. Den Kli­mawan­del soll­ten wir hier aber trotz­dem im Blick behal­ten: Fällt weniger Nieder­schlag, verän­dert sich natür­lich auch das Grund­wasser­vorkom­men. Da Vor­sorge bess­er als Nach­sorge ist, sehen wir also lieber zu, dass die bish­er erschlosse­nen Grund­wasser­vorkom­men aus­re­ichen.

Trotz­dem: Immer mehr Men­schen ziehen in die Stadt und auf dem Land wird es leer­er. Dort kann es zu Prob­le­men in Rohrleitun­gen kom­men, wenn nicht genü­gend Wass­er hin­durch gespült wird. Unan­genehm riechende Faul­gase entste­hen. Trotz­dem sollte man jet­zt nicht unun­ter­brochen den Wasser­hahn laufen lassen, viel eher soll­ten sich Abwasser­ex­perten vor Ort eine Strate­gie aus­denken.

In ein­er Sache sind sich aber alle einig: Wass­er sparen macht über­all dort Sinn, wo Wass­er erhitzt wird. Egal ob beim Duschen, Waschen oder Kochen. Denn: Wass­er zu erhitzen kostet Energie. Je weniger Warmwass­er benötigt wird, desto mehr Energie wird einges­part.

wasserhahn wasser sparen

So spart ihr Warmwasser in eurem Haushalt

Die Notwendigkeit, Warmwass­er einzus­paren, ist in den meis­ten Köpfen noch nicht angekom­men. Viel eher wird darauf geachtet, Licht und Heizkosten zu sparen. Für euren pri­vat­en Haushalt ist aber klar: Spart ihr Warmwass­er, senkt ihr eure Energiekosten und euer ökol­o­gis­ch­er Fußab­druck wird klein­er. In welchen Bere­ichen ihr Warmwass­er sparen kön­nt, habe ich für euch recher­chiert.

Wasser sparen im Badezimmer

Bei Warmwass­er denkt man zuallererst an die heiße Dusche am Mor­gen, die einige zum Wach­w­er­den auf jeden Fall brauchen. Für die Kör­perpflege wird in deutschen haushal­ten am aller­meis­ten Wass­er ver­braucht. Früher wurde sich nicht so häu­fig gewaschen, jet­zt ist es fast nor­mal, jeden Tag unter die Brause zu hüpfen. Voll­bäder gel­ten immer noch als ver­schwen­derisch im Gegen­satz zu ein­er Dusche (voraus­ge­set­zt, ihr duscht nicht stun­den­lang!).

Einen ersten Schritt in Rich­tung Sparsamkeit geht ihr, wenn ihr das Wass­er abdreht, solange ihr euch von oben bis unten ein­seift. Aber das ist längst noch nicht alles. Habt ihr schon ein­mal von einem Duschsparkopf gehört? Ich vorher auch nicht und dann ent­deck­te ich sog­ar, dass ich in meinem Bad schon längst einen ver­wende. Warmwass­er sparen kann also völ­lig unbe­merkt passieren. In Duschsparköpfen gibt es ver­schiedene Fil­ter, die dem Wasser­strahl Luft beimis­chen. Die Durch­fluss­menge wird damit um fast die Hälfte reduziert. Das merkt ihr beim Duschen gar nicht und sauber werdet ihr trotz­dem genau­so wie vorher. Ver­sprochen!

badezimmer wassersparen

Nicht nur am Duschkopf, son­dern auch am Wasser­hahn kön­nt ihr herum­basteln und soge­nan­nte Durch­lauf­be­gren­z­er anbrin­gen. Sie funk­tion­ieren ähn­lich wie die Duschsparköpfe und sind ganz ein­fach selb­st zu mon­tieren. Ab unge­fähr zwei Euro bekommt ihr die kleinen All­t­agshelfer im Han­del. Pro­biert außer­dem ein­fach mal aus, eine Minute kürz­er bei einem Grad käl­teren Wass­er zu duschen. Zieht ihr das durch, kön­nt ihr schon eine Menge sparen.

Beim Zäh­neputzen lohnt es, nicht den Mund unter den Hahn zu hal­ten, son­dern ein wenig Wass­er in den Zah­n­putzbech­er zu füllen – so geht weniger daneben.

Waschmaschine und Co 

Neben der Kör­perpflege ist die Waschmas­chine ein großer Warmwasser­fress­er. Meine Mut­ter hat früher so gut wie alles auf 60 Grad gewaschen, aus Angst vor Keimen und Bak­te­rien. So manch­es Lieblings-T-Shirt hat das nicht über­lebt – wirk­lich nach­haltig ist das nicht.

Insofern gibt es hier schon ein­mal Ent­war­nug: Klar kön­nt ihr Handtüch­er, Bett- und Unter­wäsche aus hygien­is­chen Grün­den bei 60 Grad waschen. Alles andere wird aber auch schon bei 30 Grad sauber. Hart­näck­ige Fleck­en ein­fach vorher mit Gall­seife behan­deln. Faus­tregel: Bess­er länger als heißer waschen, wenn die Wäsche wirk­lich dreck­ig ist. Achtet außer­dem darauf, dass ihr die Mas­chine nicht nur für zwei T-Shirts anstellt. Wartet lieber, bis der Wäscheko­rb richtig voll ist.

Habt ihr eine uralte Waschmas­chine, die stun­den­lang wäscht und rödelt? Raus damit! Das A und O sind mit­tler­weile energieef­fiziente Geräte. Die neuen Mod­elle ver­brauchen nicht nur weniger Strom und Wass­er, son­dern haben außer­dem eine Eco-Taste, mit der ihr das Energies­parpro­gramm anschmeißen kön­nt. Wenn ihr nicht in ein neues Gerät investieren möchtet oder kön­nt, über­legt, ob ein Warmwasser­an­schluss Sinn macht. Eure Waschmas­chine muss dann das Wass­er nicht mehr extra aufheizen. Ob das bei eurem Gerät funk­tion­iert, müsst ihr allerd­ings bei dem jew­eili­gen Her­steller erfra­gen. Auch das ist euch zu viel Aufwand? Dann nutzt zumin­d­est die kürz­eren Wasch­pro­gramme mit niedrigeren Tem­per­a­turen.

In der Küche

Die Küche ist nicht nur ein Ort des Kochens – hier wird auch gründlich abge­waschen. Nicht nur den Men­schen freut es, wenn der Abwasch vom Geschirrspüler vorgenom­men wird. Eine Spül­mas­chine ver­braucht auch weniger Wass­er als der Abwasch von Hand. Ähn­lich wie bei der Waschmas­chine, soll­test du auch bei deinem Geschirrspüler darauf acht­en, dass das Gerät energieef­fizient ist. Und natür­lich wird das Gerät nicht nur für zwei Tassen und drei Teller angestellt, son­dern erst, wenn es voll beladen ist. Nicht wun­dern: die Öko-Programme laufen zwar häu­fig etwas länger, es wird dabei aber weniger Wass­er ver­braucht.

wassersparen kueche

Wenn du keinen Geschirrspüler hast, warte, bis sich Einiges an Geschirr ange­sam­melt hat (aber nicht zu viel, son­st wer­den die Mit­be­wohn­er ungemütlich), statt das Beck­en für jeden einzel­nen Teller vol­l­laufen zu lassen. Weiche es außer­dem vorher in kaltem Wass­er ein. Das Geschirr unter laufen­d­em Wass­er abzuwaschen, ist übri­gens keine gute Idee. Tipp: Auch in der Küche kannst du Durch­lauf­be­gren­z­er an deinen Wasser­häh­nen mon­tieren.

Wenn du fürs Kochen Wass­er erhitzt, benutze auf jeden Fall einen Deck­el dann wird das Wass­er viel fix­er heiß. Habt ihr nur geringe Men­gen zu erhitzen, nehmt lieber den Wasserkocher dafür. Achtet außer­dem darauf, dass kleine Töpfe auf kleine Herd­plat­ten gestellt wer­den und – Über­raschung – große Töpfe auf große Herd­plat­ten.

Kaltes Wasser: Wo nicht nur Warmwasser sparen Sinn macht

Auch wenn deut­lich gewor­den ist, dass man bei kaltem Wass­er nicht peni­bel auf jedes Tröpfchen acht­en muss, sollte man den Wasser­hahn trotz­dem nicht unun­ter­brochen laufen lassen. Generell ist es in allen Bere­ichen wichtig, ein Bewusst­sein dafür zu entwick­eln, mit unseren Ressourcen nicht ver­schwen­derisch umzuge­hen.

In vie­len Län­dern auf dieser Welt herrscht Trinkwasserk­nap­pheit. Wenn man in einem solchen Gebi­et Urlaub macht, muss man unbe­d­ingt auch beim Kalt­wass­er darauf acht­en, sorgsam mit dem kühlen Nass umzuge­hen. Wer schon ein­mal in Afri­ka auf Safari war, weiß, dass Wass­er oft­mals müh­sam vom Brun­nen in die Häuser geschleppt wer­den muss – und so etwas kann auch in weit abgele­ge­nen Lodges der Fall sein.

wassersparen blumen

Im eige­nen Garten oder auf dem Balkon macht es übri­gens Sinn, Regen­wass­er aufz­u­fan­gen. Das ist keineswegs alt­modisch – mit­tler­weile ist es abso­lut im Trend, ganze Regen­wasser­sys­teme zu instal­lieren, die zum Teil sog­ar für die Toi­let­ten­spülung genutzt wer­den. Den Garten zu bewässern erfordert je nach Größe eine unheim­liche Menge an Wass­er.

Also los, Regen­tonne aufgestellt und Wass­er gesam­melt. Regen­wass­er hat außer­dem den Vorteil, dass es frei von Kalk ist und einen gerin­geren Härte­grad hat als Leitungswass­er. Die Pflanzen freut es. Selb­st, wenn ihr nur eine kleine Blu­me­nansamm­lung auf dem Balkon habt: Ein­fach eine kleine Schüs­sel aufgestellt und Wass­er zum Gießen sam­meln.

Virtuelles Wasser sparen

Wusstet ihr, dass ihr tagtäglich Wass­er ver­braucht, welch­es ihr gar nicht sehen kön­nt? Dieses Wass­er nen­nt sich „virtuelles Wass­er“. Ähn­lich wie einen CO₂-Fußabdruck, hat jed­er von uns auch einen Wasser-Fußabdruck. Wo ver­steckt sich dieses virtuelle Wass­er denn über­haupt? Ganz ein­fach: In den Pro­duk­ten die wir jeden Tag kaufen und kon­sum­ieren.

Wasserverbrauch bei der Produktion von Lebensmitteln und Industriegütern

Bei der Pro­duk­tion von Lebens­mit­teln, Klei­dung oder anderen Pro­duk­ten wird Wass­er benötigt. Der virtuelle Wasserver­brauch berech­net sich an der Menge des Wassers, welch­es bei der Her­stel­lung ver­braucht oder ver­schmutzt wird oder ver­dun­stet. Ganz weit vorne dabei ist die herkömm­liche Fleis­ch­pro­duk­tion. Laut Sta­tista benötigt man rund 15.455 Liter Wass­er für die Her­stel­lung von einem Kilo Rind­fleisch. Warum so viel? Der Wasserver­brauch fängt schon beim Anbau und der Bewässerung der Fut­ter­mit­tel für das Tier an. Außer­dem muss das Tier Wass­er trinken, die Ställe wer­den mit Wass­er gere­inigt, da kommt eine ganze Menge zusam­men. Ein vield­isku­tiert­er Grund, der schon so manchen Men­schen dazu bewegte, auf eine veg­ane Lebensweise umzusteigen.

tipps-zum-wassersparen-garten

Ein weit­er­er großer Fak­tor bei dem ver­brauch von virtuellem Wass­er ist die Pro­duk­tion von Klei­dung. Beson­ders die kon­ven­tionelle Baum­woll­pro­duk­tion schluckt ordentlich Wass­er, näm­lich ca. 11.000 Liter pro einem Kilo­gramm Baum­wolle – in eini­gen Län­dern liegt der Durch­schnitt sog­ar dop­pelt so hoch. Oft­mals wird Baum­wolle außer­dem in Gebi­eten ange­baut, in denen ein Halbwüsten-Klima herrscht. Das Anzapfen von Ober­flächengewässern, um höhere Erträge zu erzie­len, ist an der Tage­sor­d­nung. Auch Grund­wass­er wird auf die Felder gepumpt, um das Wach­s­tum anzuschieben.

Darauf könnt ihr beim Kauf achten

Durch den geziel­ten Kauf eur­er Pro­duk­te kön­nt ihr ein Stück weit mitbes­tim­men. Ganz sich­er geht ihr, wenn ihr beim Einkaufen auf Siegel und Zer­ti­fizierun­gen achtet. Ist ein Pro­dukt mit der Fairtrade-Zertifizierung verse­hen, kön­nt ihr sich­er sein, dass bei der Pro­duk­tion bes­timmte soziale und ökol­o­gis­che Min­dest­stan­dards einge­hal­ten wer­den. Wenn ihr einen Überblick über den Siegel-Dschungel möchtet, schaut ein­fach in unserem Beitrag über Bio-Siegel vor­bei, denn dort haben wir die wichtig­sten und gängig­sten Zer­ti­fizierun­gen zusam­mengestellt und erk­lärt.

Mit­tler­weile gibt es viele Entwick­lung­spro­jek­te, die darauf abzie­len, den Wasserver­brauch bei der Baum­woll­pro­duk­tion zu senken. Bei der Ini­tia­tive von „Cot­ton Made in Africa“ von der Aid by Trade Foun­da­tion zum Beispiel, wer­den klare Kri­te­rien einge­hal­ten. Die Klein­bauern, die im Rah­men von CmiA Baum­wolle anbauen, betreiben zum Beispiel auss­chließlich Regen­feld­bau, das heißt es find­et keine kün­stliche Bewässerung statt. Im Gegen­satz zu kon­ven­tionellem Baum­wol­lan­bau wer­den hier viele Liter Wass­er ges­part.

And Action!

Jet­zt liegt es an euch. Wass­er sparen kön­nt ihr also nicht nur, indem ihr weniger duscht und schneller den Wasser­hahn wieder zudreht, son­dern vor allem durch bewusste Kaufentschei­dun­gen und nach­halti­gen Kon­sum.

Der Weg zum Min­i­mal­is­mus ist da nicht weit und liegt sowieso im Trend. Warum nicht ein­fach mal down­sizen?

Ab zum Geocaching: Die moderne Schnitzeljagd

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Sobald die Sonne scheint habe ich dieses Gefühl, unbedingt raus an die frische Luft zu müssen. Wenn ich dann zu meinen beiden Kindern „Komm, wir gehen spazieren!“ oder „Lass uns mit dem Hund gehen“ sage, kommt mir immer nur ein „Och nööööö, wie laaaangweilig!!!“ entgegen. Haben sie ja recht, ging mir als Kind auch nicht anders. Wenn ich aber sage, „Komm, lasst uns eine Schatzsuche machen“ klingt mir ein aufgeregtes „Yeah, wir gehen Geocachen“ in den Ohren und die beiden sind im Nu wetterfest angezogen. Anfangs kam ich mir dabei ziemlich blöd vor, da Geocachen für mich so ein Rentnerding…

Moin, ich bin Marie. Waschechte Hamburgerin und nordisch by nature. Hier bei OTTO halte ich für re:BLOG Ausschau nach spannenden Ideen und Menschen, coolen Eco-Outfits und berichte für euch von...

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Edi
Donnerstag, 13. Oktober 2016, 14:04 Uhr

kommt aber auch darauf an, wo man in Deutsch­land wohnt. Im Rhein­land beispiel­sweise ist das Wass­er oft sehr kalkhaltig

Boiler-Dude
Mittwoch, 20. April 2016, 16:58 Uhr

Wass­er spart man auch mit regelmäßiger Pflege von Geräten wie Entkalkung etc.
Hier kön­nen auch Wasser­en­thär­tungsan­la­gen eine große Hil­fe sein, um den Härte­grad des Wassers zu senken.